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Wo der Teufel wohnt

Die kalte Nacht war erfüllt vom Sturm. Sie fühlte ihre Ohren nicht mehr, und ihre von Regen durchtränkten Haare peitschten ihr ins Gesicht. Der Wind blies in ihren Mund. Tränen vermischten sich mit dem Regen auf ihren Wangen. Kaum noch spürte sie ihre Haut, die Kleidung eng mit ihr verklebt. Die Haut war blass und blau. Ihre Hände, zu Fäusten geballt, zeigten ihre weissen Knöchel.

„Ich hasse es!“ Sie schrie.

Ein Mann trat vor die Tür. Er schwieg. Für einen Moment war nur der tosende Wind zu hören. Sie drehte sich um und blickte ihn an, für einen ewigen Moment. Sie sprachen nicht. Dann gingen sie beide wieder hinein und schlossen die Tür des Hauses. Sie sperrten den Sturm aus, die schwarzen Wellen die weisse Gischt. Das Meer bleckte die Zähne. Die Frau stelle sich an den Trog und nahm einen Teller in die Hand. Es klapperte hölzern, und dazu gesellte sich der Wind mit heulender Stimme.

Sie schwiegen.

„Ich habe keinen Tabak mehr…“

„Dann nimm Kartoffelblätter.“

Sie hatte es schnell gesagt und mit der Kraft des Windes. Aber so kurz und hart, wie eine Ohrfeige.

Das Klappern des Geschirrs, mit dem sie hantierte. Sie wusch es mit dem eiskalten Wasser. Zwei Töpfe aus Ton, der eine noch ganz neu. Das Öl liess die Flamme flackern. Schwarz rauchte sie bis ein Windstoss sie beinahe erlosch.

„Was hasst du?“ Er wagte diese Frage.

Diesmal liess ihre Antwort auf sich warten. Still lagen ihre bleichen Hände im kalten Wasser. Das Kerzenlicht zeigte nichts als die Erhebungen ihres Rückgrats. Ihr Kopf beugte sich über den Trog. Die Spitzen ihrer langen schwarzen Haare berührten die Wasseroberfläche. Sie tranken es.

„Alles, einfach alles. Verfluchtes Irland.“

Schweigend zog der Mann an der Pfeife, die mit den letzten Blättern Tabaks gefüllt war.

„In Irland ist der Teufel zu Haus.“ sprach sie weiter. Aber mehr sagte sie nicht. Nur der Wind schien ihr zuzustimmen.

„Unsinn.“ sagte der Mann. „Eileen… Hör nicht auf das was die Leute sagen. Der Teufel hat besseres zu tun. Ich sage dir, die Engländer sind Schuld. Sie sind der Fluch.“

Jetzt drehte sie sich um, denn Pat, ihr Mann, hatte länger gesprochen. Mit den Händen stützte sie sich auf den Tisch. Der Stuhl schien plötzlich so weit weg, am Ende des kleinen Raumes. Auf dem Stuhl sass der Mann und blickte sie an. Dann nahm er die Pfeife aus dem Mund, die ausgegangen war.

Sie wurde müde. Ihre Beine waren schwer, nass, vom Regen und vom Meer. Der Rock klebte an ihnen. Alles zog sie zur Erde hin, wo der Teufel wohnte.

~

„Es sind die Toten!“ krächzte die alte Cathy „Sie kommen aus dem Boden, ihre Seelen suchen uns heim. Es ist alles eure Schuld, ihr ruchlosen Sünder!“ Drohend hob Cathy ihren Stock. Ihr Kopftuch, in das der Wind blies, verhüllte ihr Zahnloses Gesicht mit der nächsten Böe. Sie fiel hin zwischen Steine, Schlamm und Gras. Ernüchtert sass sie nun dort. Niemand beachtete Sie. Eine lethargische Schwere lag auf den Gesichtern der Dorfbewohner, die damit beschäftigt waren ihrem Alltag nachzugehen. Ein Schwein kam angelaufen und schnüffelte freundlich an den Kleidern der alten Cathy.

„Komm, Lissy!“ Der Bauer holte das Schwein.

Eileen kam ihm vom Hügel entgegen. Die Nacht hatte den Sturm mit sich genommen und dunkelgraue Quellwolken liessen hie und da Sonnenstrahlen auf die grünen Wiesen fallen. Der Wind blieb zurück, er war immer da. Er blies ihr auch jetzt in den Rücken, so dass sie die Beine dagegen stemmen musste beim Abstieg.

„Eileen!“ rief ein Junge, aus dem Haus rennend, direkt auf sie zu. „Eileen!“

Sie drehte sich nicht um, also folgte ihr, wobei er laufen musste um mit ihr Schritt zu halten. Schliesslich überholte er sie und blieb vor ihr stehen. Als sie an ihm vorbeigehen wollte versuchte er ihr den Weg zu versperren.

„Eileen, warte! Bitte…“

„Was willst du? Geh dahin wo du hergekommen bist.“ ihre Antwort klang müde.

„Wo ist Pat?“ fragte der Junge sie.

„Der sitzt zu Hause und raucht Kartoffelkraut.“ antwortete Eileen und überholte den Jungen. Die Erinnerung an gestern rief wieder das Gefühl hervor, zum Boden gezogen zu werden.

„—Hat er keinen Tabak mehr?“ fragte der Junge und Eileen drehte sich um und sah ihn genervt an.

„Dumme Frage, findest du nicht?“

Sie machte sich weiter auf den Weg, dem Dorf zu und kümmerte sich nicht mehr um den Jungen, der verdutzt stehengeblieben war. Die wenigen Leute, denen Eileen begegnete, sahen nicht einmal auf wenn sie an ihnen vorbei ging. Die meisten blickten auf den lehmigen Boden. Das Schwein suhlte sich in einer grossen Pfütze. Lehmwasser spritzte auf Eileens Kleid, das noch klamm war von gestern.

Sie kaufte frische Eier. Viel konnten sie sich nicht mehr leisten. Plötzlich blieb sie stehen und sah hoch zum Himmel. Der Junge, der ihr gefolgt war, sah ebenfalls hoch, konnte aber nichts entdecken. Eileen verzog das Gesicht zu einer Fratze und nieste. Der Korb fiel ihr vom Arm und der Junge lachte. Das Schwein stand auf und machte sich über die zerplatzten Eier her.

~

Als der Totengräber aufsah, kam der Priester gerade aus der Kirche. Still lächelnd ging er an ihm vorbei. Verschämt blickte der Totengräber auf die schmutzigen Hände, die den Griff seiner Schaufel umklammerten. Die Erde war heute besonders schwer und aufgeweicht. Der Priester ging auf einen Engländer zu, der auf seinem Pferd sitzen blieb, und erhobenen Hauptes auf den Priester herabsah. Den Mund fest verschlossen blickte der Priester dem Engländer in die Augen. Er stand ganz dicht bei seinem Pferd. Aus der Ferne, umgeben von Grabsteinen die schräg und scheinbar wahllos verstreut in alle Richtungen gen Himmel ragten, wurden sie misstrauisch vom Totengräber beobachtet. Der Wind spielte an der Glocke der kleinen Kirche.

„Hüte deine Schafe gut, Pfaffe. Der Lord hat von den Unruhen wegen des Futters vernommen. Er wird nicht zögern sich an England zu wenden…“ sagte der Engländer.

Der Priester schwieg. Dann sagte er: „Ihr könnt ihm sagen, dass er sich keine Sorgen machen muss. Nur wird es immer schwerer, die Steuern zu bezahlen. Wir haben nicht genug um uns zu ernähren, und das Vieh wird nicht mehr lange reichen. Dann haben wir gar nichts mehr um…“

„Geschwätz!“ fuhr ihm der Engländer ins Wort. Unruhig zog er am Riemen seines Gauls und machte kehrt ohne sich umzudrehen.

Hinter dem Hügel verschwand des Reiters Hut.

Der Priester sah auf seine schmutzigen Füsse herab und schämte sich für das, was er dem Engländer gesagt hatte. Es war zum Guten der Dorfbewohner, rief er sich in Erinnerung, nichts wofür er sich schämen müsse. Langsamen, schweren Schrittes ging er zurück zum Pfarrhaus, am Totengräber vorbei. Der Wind spülte das Klappern des Spatens herüber, wenn er auf steinigen Grund stiess.

~

Pat sass vor dem Feuer. Als seine Frau kam, stand er auf. Ihr Kleid war am Fenster kurz zu sehen gewesen. Die Tür ging auf und der Wind drückte den Rauch durch den Kamin zurück in die kleine Stube.

Wortlos stellte Eileen den beinah leeren Korb auf den Tisch. Wortlos blickte der Mann erst auf den Korb, dann auf seine Frau Eileen. Draussen wurde es dunkler.

„Was ist passiert? Wo sind die Eier?“ fragte er nur. Ein Stückchen Eierschale klebte am Griff des Korbes.

„Herausgefallen.“ war ihre knappe Antwort, während sie sich leise daran machte die Teller und Töpfe zu verräumen.

„Rausgefallen? Einfach so?“ Er schien mehr verblüfft als böse zu sein.

Sie sagte nichts mehr, und so ging der Mann nach draussen. Auf dem Tisch liess er die leere Pfeife zurück.

Eileen stiess ein Schluchzen aus. Tränen liefen über ihre Wangen und tropften in das Wasser im Trog. Sie wischte sich mit dem schmutzigen Ärmel ihres Kleides über die Stirn und Augen. Von draussen hörte sie nur das Blasen des Windes. Der Mann stand vor dem Haus und blickte in die Ferne auf das Meer hinaus. Wie würden sie den Winter überleben, ohne die Hühner?

~

„Eileen will weg von hier.“ Der Junge ergriff das Wort am Tisch.

Seine Mutter sah ihn böse an. Sie wollte ihm sagen, dass er nicht reden dürfe, doch sein Vater kam ihr zuvor.

„Sagt wer?“

„Sie hat es mir selbst erzählt.“ Der Junge war sich nun seiner Sache sicher. Es war ein triftiger Grund gewesen, vor dem Vater den Mund aufzumachen. Aber der Vater sagte nichts mehr. Schweigend assen sie weiter. Der Junge blickte erwartungsvoll zu seinem Vater.

„Halte deine Neugier im Zaum.“ sagte der Vater ruhig und steckte sich einen Löffel Suppe in den Mund. Auch die Mutter des Jungen war neugieirig geworden, sagte aber nichts. Still begann sie den Tisch abzudecken.

„Eileen will weg von hier!“ erzählte der Junge kurze Zeit später noch einmal seinen Freunden. Die Jungs sagten nichts, denn ein Mädchen ging an ihnen vorbei.

„Weshalb?“ fragte sein Freund, bevor er dem Mädchen nachblickte.

„Weiss nicht. Sie hasst Irland.“ antwortete der Junge. Dann folgte auch sein Blick dem Gang des Mädchens, welches Mary hiess und ein wenig älter war als die Jungs.

„Die Kartoffeln machen sie verrückt…“ sagte der Junge noch leise, als seine Freunde schon weg waren um Mary zu ärgern.

~

„O’Brian sagt wir müssen Mauern bauern. Die Engländer wollen es.“ Pat war froh etwas zu erzählen zu haben.

„O’Brian redet viel im Suff.“ antwortete Eileen. Sie nahm den Besen in die Hand, nur um irgendetwas festzuhalten.

„Wenigstens kriegen wir Geld dafür.“ Pat freute sich über die gute Nachricht. Eileen hielt nur kurz beim Fegen inne, um schweigend fortzufahren. Lehmkrümel rollten über den Boden, hin zur Ecke in der der Stuhl stand, auf dem der Mann sass. Das Feuer warf rote Lichter auf sein mattes Gesicht, sonst blieb es dunkel im Zimmer. Unter der schwarzen Wand rauchte das Feuer, wenn der Wind es durch den Schornstein zurückdrückte.

Draussen zerbrach die Brandung an den schwarzen Felsen zu weisser Gischt, die sich zurückzog um sich erneut gegen die Klippen zu schmettern. Die mondlose Nacht hatte pechschwarze Dunkelheit mit sich gebracht. Im kleinen Haus von Pat und Eileen wurde das Licht ausgelöscht. Danach war es stockfinster. Nur der ohrenbetäubende Lärm des Meeres war noch weithin zu hören.

~

Der Totengräber hatte seine Arbeit getan und ging nach Hause. Diese Nacht war eine Frau gestorben. Schweigend wusch er sich den Lehm von den Händen. Sie war nicht verhungert, das was das Besondere daran. Der Totengräber dachte an den Verlust seiner eigenen Frau. Der Teufel hatte sie geholt.

Er stand noch versonnen am Fenster und blickte hinaus, als der Wind ein kleines Stöckchen gegen das Fenster schlug. Er schreckte auf. Das Geräusch holte ihn in die Wirklichkeit zurück. Er musste sich zusammenreissen, wenn er diesen Winter überstehen wollte. Seiner Frau war es besser gegangen als vielen Menschen im Dorf. Sie war früher gestorben und musste nicht verhungern.

Der Totengräber hatte den Priester fragen wollen, was er über die Zukunft denke. Doch der Pfarrer war gedanklich noch zu sehr in der Beerdigung vertieft gewesen. Da hatte der Totengräber ihn nicht gefragt. Es war auch besser so. Er war Totengräber und Totengräber fragen nicht.

„Was wird denn aus der alten Cathy, wenn niemand mehr für sie sorgt?“ fragte eine Frau ihren Mann, während sie gemeinsam durch den Regen von der Beerdigung zurück nach Hause gingen. Es war die Mutter des Jungen, der Eileen gefolgt war. Der Mann ging schweigend weiter, ohne sich nach ihr umzudrehen.

Als die Beerdigung vorüber war, hatte der Priester sich ins Pfarrhaus zurückgezogen. Niemand hatte danach ein Wort gesprochen. Die Leute fragten ihn nicht mehr, was werden solle aus ihnen. Im Nachbardorf waren in den vergangenen drei Monaten zwölf Menschen gestorben. Ihr Dorf hatte einmal zu den reichsten gezählt in der Gegend.

Der Junge wickelte sich enger in seine Jacke. Die Leute wurden nicht nur stiller. Sie wurden auch kälter. Der Vater des Jungen hielt es mit den anderen die nach Hause gingen. Er sagte auf dem ganzen Weg kein Wort.

~

Ganz nah beugte sich Pat über das Gesicht seiner schlafenden Frau. Feine Schweissperlen bedeckten ihre Stirn und Nase. Ihre Lippen waren spröde und trocken. Seit langem hatte Pat nicht mehr seine Frau so nahe betrachtet. Er wurde sich schlagartig bewusst, wie sehr er sie brauchte. Sie war nicht mehr hübsch, nicht so hübsch wie Cathy’s Tochter es einmal gewesen war. Jahrelang hatte Eileen für ihre Mutter gesorgt. Keiner hätte es sonst getan. Nun war auch sie tot. Der Mann überlegte was besser war, ein schneller Tod oder ein Leben wie dieses. Er hätte gerne seiner Frau gesagt dass es sich immer lohnt sich für das Leben zu entscheiden. Aber Eileen schlief, und das war gut so. Sie hatte Fieber, seit zwei Nächten. Seitdem war Pat nicht mehr vor die Tür getreten. Ein Öffnen der Tür hätte den Tod einlassen können.

In diesem Moment schlug Eileen die Augen auf und ergriff die Hand ihres Mannes.

„Nimm mich mit!“ Ihre schwarzen Augen blickten an ihm vorbei ins Leere.

„Mitnehmen? Aber wohin?“ Der Mann war verunsichert. Eileen schluckte nur, Tränen rannen aus ihren Augenwinkeln auf das Laken. Sie tropften auf die langen, schwarzen Haare, die wirr auf dem Kissen klebten. Das Kissen trank die Tränen und den Schweiss.

„Nimm mich mit, in die andere Welt.“ stöhnte seine Frau mit schwacher Stimme.

Diese Worte erschraken Pat zu tode. Eileen wollte sterben? Das durfte sie nicht. Er brauchte sie, nicht nur weil er sie liebte. Er wollte ihr sagen, dass er sie liebte. Aber er atmete nur schwer, verschloss den Mund und blickte sie angsterfüllt an.

Eileen fiel wieder in den Schlaf zurück. Sie träumte von einer Reise in eine andere Welt. Es wuchsen andere Bäume dort, sie gediehen saftig und grün, und die Kartoffeln waren so gesund wie das gelbe Korn. Es war ein Paradies, das Land, in dem man gut leben konnte. Niemand kehre je zurück von dort. Eileen träumte vom Hafen in Westport, wie Pat und sie das Schiff bestiegen, das sie in eine neue Welt tragen sollte.

~

Der Mann hielt es nicht mehr aus im Haus. Er hörte sich selbst atmen. Der Wind draussen wurde immer schwächer. So ging der Mann vor die Tür, auf das abgestorbene Feld und betete. Er betete darum, dass Eileen nicht sterben wolle.

Als er wieder zurück ins Haus kam schlief Eileen immer noch. Aber es war sehr kalt geworden, und dunkel. Das Feuer war kurz davor auszugehen. Der Mann beugte sich hinunter zur Feuerstelle. Der Wind hörte auf zu heulen und der Mann hielt inne im Hantieren mit dem Feuer. Von draussen begann es an das Fenster zu klopfen. Dicke Regentropfen bildeten sich auf der Scheibe. Es hatte zu regnen begonnen.

Pat ging wieder zu Eileen ans Bett. Das Schlürfen seiner Schuhe vermischte sich mit dem klopfenden Regen auf der Scheibe. Wieder beugte er sich über das Gesicht Eileens, die immer noch fest zu schlafen schien. Der Schweiss war von ihrer Stirn verschwunden. Sanft fasste der Mann seiner Frau an die Stirn, dann an die Schultern. Er umarmte sie und weinte. Seine Frau hatte aufgehört zu atmen.

~

„Im 11. Monat im Jahre des Herrn 1846 hat es unserem Herrn gefallen einen Menschen aus der Mitte unseres Lebens zu nehmen.“ Dies schrieb der Priester in das Buch der Gemeinde, und setzte einen weiteren Namen unter die lange Liste. Er steckte die Feder wieder ins Tintenfass zurück. Der Wind blies kalt an seine Beine, als die Tür aufging.

„Pat. Warum klopfst du nicht an?“ Er blickte in die roten Augen des Mannes. Patrick schwieg. Tausend Tropfen klopften gegen die Scheiben des Pfarrhauses.

„Eileen ist tot.“ war alles, was Patrick sagen konnte. Es war die einzige Aufgabe, die ihm geblieben war.

Der Priester traute sich nicht mehr in die Augen des Mannes zu blicken.

~

Mitte des 19. Jahrhunderts führte ein Pilzbefall von Kartoffeln zu einer landesweiten Seuche in Irland, die eineinhalb Millionen Iren den Tod brachte. Sobald die Kartoffeln an die Luft kamen, verwandelten sie sich in einen schwarzen, übelriechenden Brei. Von den 8,2 Millionen Menschen starben diese nicht an den verseuchten Kartoffeln. Es war der Hunger, der Menschen und Vieh dahinraffte. Kartoffeln waren damals zum Hauptnahrungsmittel geworden. Sie gediehen am besten im flachen, lehmigen Boden im Westen Irlands. Schweine und Hühner wurden mit Kartoffeln gefüttert, und für viele Menschen waren Kartoffeln das einzige Nahrungsmittel neben Fleisch. Diese Abhängigkeit führte zur Katastrophe. Von 1846 bis 1850 lähmte dieser Niedergang durch Hunger und Krankheit Irland so sehr, dass die englischen Landlords sich schliesslich doch gezwungen sahen, der Bevölkerung unter die Arme zu greifen. Lohn ohne Arbeit sollte es aber nicht geben. Daher liessen sie die Iren sinnlose Mauern errichten. Bis heute haben diese Mauern nie einen Zweck erfüllt. Einige Iren schafften es, von der Insel in eine neue Welt zu fliehen. Der Kampf ums Überleben fand aber auch für sie schon auf den überfüllten Schiffen oft ein jähes Ende. Die lange Reise überstanden nur die Stärksten. Auf der kanadischen Quarantäne-Insel „Grosse Isle“ im St. Lorenz-Strom erinnert ein Gedenkstein daran:

„Hier liegen die sterblichen Überreste von 5294 Männern und Frauen, die Irlands Hunger und Seuche im Jahre 1847 entflohen und in Amerika nichts anderes fanden, als dieses Grab.“

1989-2005

Comments

Gefällt mir nach wie vor sehr.

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nursery

Stop right here

When I was little, being sick had this appeal to me that made it a cool thing. Of course I didn’t like really being sick, but over time every young boy learns how to fake it. You’ll learn that it takes little to trigger that turning point in your parent’s mind for them to decide “you’ll stay at home today”. All it takes is to make them worry just a little.

It does something

Writing is a funny thing. It doesn’t really do something, you know. There is no magic to the process itself; fingers typing letters, a hand writing words. Writing is not the most brilliant idea man invented in a gazillion years. It doesn’t kill poverty, it doesn’t cure cancer, and it sure doesn’t burn rotten trees.

Rocks at the river

I grew up not far from a river. It was a broad, dirty green water stream, not at all as romantic as in Huckleberry Finn. But as a nine year old you are not picky about running waters. Every place that provides a hideout to stroll around and play with your life is a magnet to a boy.